Schießanlage: Jäger ziehen den Bauantrag zurück, Passauer Neue Presse
Mittwoch, 08. September 2010 00:00
Umstrittenes Vorhaben wird nicht realisiert - Marktgemeinde Kößlarn und Jäger schließen Kompromiss - Verein denkt über Verkauf des Areals nach
Von Markus Gerauer
Kößlarn. Sieben Jahre lang wurde gestritten. Jetzt steht fest: Es wird keine offene Schießanlage in Kößlarn geben. Die Marktgemeinde und der „Verein zur Förderung des jagdlichen Schießwesens“ haben sich auf einen Kompromiss geeinigt. Details regelt ein Vertrag. Die Jäger haben ihre Genehmigungsanträge beim Landratsamt zurückgenommen und erwägen einen Verkauf des Areals an einen Investor.
Es schien eine unendliche Geschichte zur werden, der Bau einer Schießanlage in der ehemaligen Grüngutanlage in Kößlarn. Im November 2002 wurde erstmals über das Projekt gesprochen. Im Mai 2006 reichte der „Verein zur Förderung des jagdlichen Schießwesens“, der sich aus den Jäger-Kreisgruppen Griesbach, Passau und Vilshofen gegründet hatte, beim Landratsamt den Bauantrag ein.
Heftiger Widerstand der Kößlarner
In Kößlarn indes stieß das Vorhaben auf Widerstand. Es gründete sich eine Bürgerinitiative, es gab Demonstrationen, Protestaktionen und immer wieder Kritik am Landratsamt. Die Kößlarner fühlten sich hingehalten, hatten den Eindruck, dass ihre Argumente nicht gehört werden. Das Landratsamt holte Gutachten ein, es gab Gegengutachten. Eine Entscheidung wurde Mal um Mal vertagt.
Nun musste das Landratsamt nichts mehr entscheiden. Denn die beiden Parteien haben sich auf einen Kompromiss geeinigt. Wie der aussieht, ist einer gemeinsamen Presse-Erklärung von Bürgermeister Franz Holub und Jägervereins-Vorsitzendem Horst Kotter zu entnehmen: Der Markt Kößlarn verzichtet auf sein im Grundbuch eingetragenes Kiesabbaurecht auf dem ehemaligen Grüngut-Areal. Im Gegenzug verpflichtet sich der „Verein zur Förderung des jagdlichen Schießwesens“, auf dem Gelände keinen offenen Schießstand zu errichten und zu betreiben, allenfalls ein Schießkino. Zudem lässt der Verein eine Dienstbarkeit im Grundbuch eintragen, dass auch der künftige Eigentümer des Areals das zu unterlassen hat.
Der Dank der Vertragsparteien, das wird in der Erklärung besonders betont, gelte allen, die zu dieser Einigung beigetragen haben, vor allem aber Landrat Franz Meyer. Der meldete sich gestern auch prompt in einer Stellungnahme zu Wort: „Als Landrat habe ich in der Auseinandersetzung um eine Schießanlage bei Kößlarn wiederholt erklärt, dass ich persönlich dazu beitragen will, die verschiedenen Seiten zu Gesprächen zusammenzubringen und gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Dies erfolgte unabhängig von der Rolle des Landratsamts als Genehmigungsbehörde“, so der Landrat, der gestern im französischen Wallfahrtsort Lourdes weilte. Er freue sich, dass die Anbahnung von Gesprächen geglückt sei.
Versöhnliche Töne schlagen auch Bürgermeister Holub und Horst Kotter an, wenn es darum geht, den Kompromiss zu bewerten. „Wenn das Landratsamt eine Entscheidung für oder gegen die Schießanlage getroffen hätte, wäre sicher die unterlegene Partei vor Gericht gezogen, um die Entscheidung anzufechten. Das hätte Jahre gedauert, bis das entschieden gewesen wäre. Und das wollten beide Seiten vermeiden“, nennt Kößlarns Bürgermeister einen Hauptgrund für die Kompromissfindung.
Es ist ein guter Kompromiss für Kößlarn, da ist sich Holub sicher. Auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung Kößlarns. Vor allem der Verkauf von Baugrundstücken habe unter dem Streit um die Schießanlage gelitten. Zudem sei mit dem Kompromiss das Hauptanliegen der Kößlarner erfüllt worden: keine Schießanlage, kein Lärm.
Die Details des Kompromisses sind übrigens vertraglich fixiert. „Herr Kotter und ich waren schon beim Notar und haben die Vereinbarung unterschrieben“, erklärt Holub.
Zufrieden ist auch Horst Kotter. „Es ist lange genug gestritten worden“, fasst der Vorsitzende des „Vereins zur Förderung des jagdlichen Schießwesens“ zusammen. Auch er verweist auf eine drohende Gerichtsverhandlung, die niemand wolle. „Ich habe immer gesagt, wenn wir einen Investor haben, der uns das Gelände abkaufen will, dann lassen wir das mit der Schießanlage“, so Kotter zur PNP. Und Interessenten für das Areal gibt es , wie Kotter bestätigt. Es habe schon Gespräche mit zwei möglichen Investoren gegeben. Namen will Kotter allerdings nicht nennen. Nur so viel: Damit das Grundstück für Käufer interessant wird, musste der Markt auf sein Kiesabbaurecht verzichten.
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Jäger-Verein bleibt bestehen
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Der offene Schießstand in Kößlarn indes ist mit dem Kompromiss gestorben. Für Kotter nicht so schlimm. „Einen offenen Schießstand, der für die Jungjäger-Ausbildug gedacht war, brauchen wir nicht mehr. Denn bei der Prüfung für die Jungjäger haben sich die Richtlinien geändert.“ Auch wenn’s mit der Schießanlage nichts wird, den „Verein zur Förderung des jagdlichen Schießwesens“ wird es weiterhin geben. „Wir haben 95 Mitglieder, und die wollen schießen“, sagt Kotter. Vielleicht baue man ein Schießkino. Wo, das sei völlig offen.
Froh über den Kompromiss ist man auch bei der Bürgerinitiative, dem „Verein zur Erhaltung von Natur und Umwelt“. Auch wenn man hier andere Väter des Erfolgs nennt. Denn Karl-Heinz Stöver, Vorsitzender der Bürgerinitiative, ist sicher, dass die Lösung vor allem der Bürgerinitiative zu verdanken ist. Das sei sein Verdienst und das seiner Mitstreiter. Und die sieht er in den Reihe von Grünen, SPD und ödp, allen voran in MdL Eike Hallitzky.
Quelle: Passauer Neue Presse



