Schießanlage: Entscheidung steht bevor, Passauer Neue Presse

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Dienstag, 18. Mai 2010 19:06

Landesamt für Umwelt will Unterlagen für abschließendes Urteil - Kritik vom Landesverein für Heimatpflege

Von Regina Ehm-Klier

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Kein Weg führt zu einer Schießanlage in Kößlarn, so die Bürgerinitiative Erhaltung von Natur und Umwelt. Deren Vorsitzender Karl-Heinz Stöver setzt den Kampf gegen die Pläne fort und hat weitere Verbündete gefunden.Foto: Jörg Schlegel

Kößlarn/Passau. Es scheint ein unendliches Thema, der Bau einer Schießanlage auf der ehemaligen Grüngutanlage bei Kößlarn. Im November 2002 wurde erstmals darüber gesprochen. Nun, über sieben Jahre später, wurde zwar viel gestritten, passiert ist indes nichts.

Nicht, dass nicht einiges geschehen ist. Vor genau vier Jahren, im Mai 2006 reichte der „Verein zur Förderung des jagdlichen Schießwesens“, der sich aus den Jägerkreisgruppen Griesbach, Passau und Vilshofen zum Bau der Anlage gegründet hatte, den Antrag auf Bau dieser Schießanlage ein. Seither, so kritisieren die Gegner des Projekts, würden sie hingehalten, schwebt das Vorhaben wie ein Damoklesschwert über dem ganzen Markt.

Doch eine Entscheidung steht bevor. Wie die PNP gestern erfuhr, fällt das abschließende Urteil noch im Sommer. Eduard Bosch, Pressesprecher im Landratsamt: „Ende Juni, Anfang Juli erwarten wir die Stellungnahme des Landesamts für Umwelt.“ Das Amt fällt mehr oder weniger das Urteil. Die Antragsteller, so erklärt Bosch weiter, müssen noch einen so genannten Landschaftspflegerischen Begleitplan einreichen. Der werde dann zusammen mit allen anderen Plänen, Gutachten und Unterlagen an das Landesamt für Umwelt in Augsburg geschickt. Innerhalb von vier Wochen, so Bosch, werde dann mit der Stellungnahme gerechnet. Sie wird die Grundlage des Genehmigungsbescheids oder der Ablehnung. Je nachdem, was das Amt sagt.

Das Landesamt für Umwelt hat der geplanten Schießanlage bereits vor knapp zwei Jahren einen empfindlichen Schuss verpasst. Regierungsdirektor Johann Fichtner zerpflückte ein Gutachten über die Lärmmessungen nach allen Regeln der Kunst. Fichtner, als „Schießpapst“ anerkannt, kam zu dem Schluss, dass unter den gegebenen Umständen täglich maximal 720 Schuss zu genehmigen seien, zumal mit falschem Gewehr und falscher Munition fürs Gutachten geschossen worden war - und das nicht an allen erforderlichen Punkten. Im Antrag war noch von 11 000 Schuss die Rede - täglich, als maximale Lösung.

Es war nicht die letzte Niederlage für die Bauherren bzw. die Genehmigungsbehörde Landratsamt. Anfang 2009 musste wegen massiver Mängel ein wasserrechtlicher Bescheid zurückgenommen werden, den das Landratsamt dem Bauherrn, dem Verein zur Förderung des jagdlichen Schießwesens, bereits gegeben hatte. „Es hat sich herausgestellt, dass die Erlaubnis rechtswidrig war“, sah das Landratsamt nun ein.

Es war der letzte Höhepunkt der jahrelangen Auseinandersetzung zwischen den Gegnern, die immer mehr wurden, und dem Verein, der die Anlage bauen will. Seither ist es ruhig geworden, zumindest nach außen hin. Doch vom Tisch ist das Thema nicht. „Es laufen weiterhin Verhandlungen“, bekräftigt Landrats-Sprecher Eduard Bosch. Es werde um eine „einvernehmliche Lösung“ gerungen. Der Gegnerverein ist übrigens, zum Ärger seines Vorsitzenden, nicht mit am Verhandlungstisch. Im Gegensatz zu Bürgermeister Franz Holub. Der bestätigt lediglich die Gespräche, Ergebnisse verrät er allerdings nicht: „Es wurde auch intern Stillschweigen vereinbart“, so der Bürgermeister. Man befinde sich „in der Überlegungsphase“, so Holub.

Der Verein „Zum Erhalt von Natur und Umwelt“ sorgt dafür, dass das Thema nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet, indem er weiterhin eifrig Schützenhilfe sucht. Jüngster Coup ist der Landesverein für Heimatpflege. Dessen Geschäftsführer Martin Wölzmüller wandte sich Anfang April an Landrat Franz Meyer und äußerte „erhebliche Bedenken“ gegen die Schießanlage. Im eineinhalb Seiten langen Schreiben, das auch der PNP vorliegt, wird an die Genehmigungsbehörden appelliert, die „offensichtlich übergeordneten Interessen zu wahren und die vorgesehene Planung abzulehnen“.

Eine Antwort auf diesen Appell erhielt Geschäftsführer Wölzmüller nicht. Karl-Heinz Stöver, Vorsitzender der Kößlarner Bürgerinitiative sieht sich darin bestätigt: „Von Seiten des Landratsamts wurden immer nur die Interessen des Antragstellers in den Mittelpunkt gestellt.“ Erneut greift er das Amt und dessen Chefs scharf an: „In der Summe unserer Erfahrungen gehen wir davon aus, dass das Landratsamt, Altlandrat Hanns Dorfner und Landrat Franz Meyer, das Projekt unterstützen“, schreibt Stöver in seiner jüngsten Pressemitteilung.

Dass der Brief des Landesvereins für Heimatpflege nicht beantwortet wurde, findet Landrats-Sprecher Bosch zwar „bedauerlich“, andererseits sei das Schreiben nicht so abgefasst, dass eine Antwort zwingend erforderlich gewesen sei. Dies wurde gestern allerdings dennoch nachgeholt.

Quelle: Passauer Neue Presse